Integration

Schlägt man den Begriff der Integration im Duden nach, so findet man dort die Erklärung: „Eingliederung in ein größeres Ganzes“ sowie „Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit“ (Duden, 2017). Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge handelt es sich bei der Integration um einen langfristigen Prozess, dessen Ziel es ist, alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen. Dabei soll den Zuwanderern eine gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge betont dabei die Pflicht der Zuwanderer Deutsch zu lernen, sowie die Verfassung und Gesetze zu kennen und zu befolgen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2017).

Diese Definition bildet das im Pilotprojekt vertretene Verständnis von Integration. Aus diesem Grund wird im Rahmen des Projekts die Erleichterung sowie Verbesserung des Deutschspracherwerbs angestrebt, um Zuwanderern eine erfolgreiche Integration zu ermöglichen.

Integration und Sprache

Bereits in der Definition von Integration wurde der Zusammenhang zwischen Integration und Sprache deutlich. Zuwanderer stehen nach dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in der Pflicht Deutsch zu lernen. In der Gesellschaft wird man häufig mit den Worten „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“ konfrontiert. Einige Studien belegen die Relevanz des Spracherwerbs für eine erfolgreiche Integration, welche nachfolgend aufgeführt werden.

Im Fokus steht hierbei die AKI Forschungsbilanz 4 von Hartmut Esser, die 2006 veröffentlicht wurde. AKI symbolisiert dabei ein Akronym für Arbeitsstelle Interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration. Im Rahmen dieser Studie wird die Bedeutung von Sprache für die Integration von Migranten beleuchtet, da die Beherrschung der Sprache, neben der Diskriminierung, eine große Rolle bei der erfolgreichen Integration spielt. Sowohl im individuellen, als auch im gesellschaftlichen Integrationsprozess erfüllt die Sprachbeherrschung mehrere Funktionen. So ist sie zum einen das Medium der alltäglichen Konversation und eine wichtige Ressource im Hinblick auf den Bildungs- und Arbeitsmarkt. Zum anderen fungiert eine gemeinsame Sprache als Symbol von Zusammengehörigkeit oder im negativen Fall von Diskriminierung. Die jeweilige Kompetenz in der neuen Sprache bedingt maßgeblich den Zugang zu Bildung, Einkommen und gesellschaftlicher Anerkennung mit.

Der Erwerb der Landessprache ist nach Esser an verschiedene Bedingungen geknüpft. Es bedingen individuelle und familiäre Lebensbedingungen sowie die besonderen Umstände der Migration den Erfolg eines Spracherwerbs und müssen deswegen im Lernerfolg mitberücksichtigt werden. Wirksame Faktoren für den Spracherwerb bilden dabei das Einreisealter sowie Aufenthaltsdauer, als auch ein hoher Bildungsstand. Kinder erlernen die neue Sprache dabei am einfachsten, wobei ein Schwellenwert zwischen 10 und 12 Jahren zu vermerken ist.

Im Rahmen der Studie wird der Zusammenhang von Sprache und Bildungserfolg betont, da Bildungserfolg maßgeblich von der Sprachbeherrschung abhängt. Ungünstige Bedingungen wie ein hohes Einreisealter, geringer Bildungsstand oder ethnische Konzentration in der Wohnumgebung verstärken sich negativ wechselseitig. Dadurch wer-den ein erfolgreicher Spracherwerb und somit Schul-oder Berufserfolg sowie eine erfolgreiche Integration erschwert.

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie wichtig die Sprache für eine erfolgreiche Integration ist, belegen, dass sie einen Schlüssel für die Integration darstellt und es die oberste Priorität sein sollte die Sprachbeherrschung zu fördern.

Förderungsmöglichkeiten von Wohlbefinden

Einige Studien zeigen negative Auswirkungen von erlebter Benachteiligung auf das psychische und körperliche Wohlbefinden (vgl. z.B. King 2005; Williams/Jackson et al. 1997; Liebkind/Jasinskaja-Lahti 2000). Solche Erfahrungen haben aber nicht nur auf direktem Wege einen Einfluss auf das Wohlbefinden. McKenzie (2006) zeigt nämlich, dass diese Wirkung auch indirekt über die sozialen und ökonomischen Verhältnisse be-stehen kann, welche mit der Benachteiligung einhergehen. Allerdings könnten wirkliche Erfahrungen mit Diskriminierung weniger entscheidend für das Wohlbefinden sein, als die Empfindung in einer Gesellschaft zu leben, welche zu solchem neigt. (LaVeist, 1996)

Aufgrund dessen ist es von elementarer Bedeutung den Flüchtlingen ein Gefühl von Vertrauen und Sicherheit zu übermitteln. Wenn diese sich in der Gesellschaft willkom-men und gleichberechtigt fühlen, könnte dies unmittelbar zu einem längerfristig höheren Wohlbefinden beitragen.

Darüber hinaus lässt sich aus der BELLA-Studie zur Gesundheit von Kindern und Ju-gendlichen in Deutschland entnehmen, dass das Wohlbefinden von personalen, familiä-ren und sozialen Ressourcen positiv beeinflusst wird. Des Weiteren hat der sozioöko-nomische Status einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden. Auch das KIDSCREEN Projekt zu Lebensqualität und Wohlbefinden von Kindern und Jugendli-chen in Europa wies nach, dass soziale Ressourcen direkt und positiv auf das Wohlbe-finden einwirken. (Ulrike Ravens-Sieberer et al., 2009)

Von den hier genannten Faktoren sind besonders die sozialen Ressourcen ein Ansatz-punkt, welcher eine Möglichkeit zur Förderung des Wohlbefindens eröffnet. Durch persönliche und soziale Kontakte der deutschen Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen könnten soziale Ressourcen geschaffen werden, welche zu einer erfolgreichen Integration und somit auch zum Wohlbefinden der Flüchtlinge beitragen könnten.

Des Weiteren zeigt die Internationale HBSC Studie zu Gesundheit und Gesundheits-verhalten von Schülerinnen und Schülern, dass schulische Anpassungsprobleme das Wohlbefinden direkt beeinflussen. Je größer die Anpassungsprobleme sind, desto niedriger ist das Wohlbefinden. (Ulrike Ravens-Sieberer et al., 2009)

Auch hier liegt eine Möglichkeit zur Steigerung des Wohlbefindens. Durch Engagement im schulischen Kontext könnte man versuchen den Flüchtlingen dabei zu helfen sich in deutschen Schulen einzufinden und ihnen eine Anpassung erleichtern. Dies wiederum würde dann das Wohlbefinden erhöhen.

Trotz einer so begrenzten Auswahl an Studien ist es eindeutig, dass es viele verschiedene Wege zur Steigerung des Wohlbefindens gibt. Somit bieten sich zahlreiche Ansatzpunkte, welche eine Integration unterstützen könnten und die Chancen auf Erfolg erhöhen. Innerhalb dieses Projektes wird ein besonderes Augenmerk auf dem Einfluss der Lernumgebung liegen, welche durch die VR-Technik erzeugt wird.

Die Integrationsmotivation als Parameter des Lernerfolgs und der Integrationseffizienz

Die Ergebnisse der Ministudie aus der Prototypenphase zeigen eine deutlich erhöhte Bereitschaft der Probanden zur Begegnung mit deutschen Bürgern und den Wunsch, VR als ergänzendes Medium zu den klassischen Lernmethoden einzusetzen. Diese Erkenntnis vermittelt den Eindruck, dass neue digitale Technologien – wie z.B. VR – einen Mehrwert bilden, wenn sie über entsprechende qualitativen Content und eine unkomplizierte und moderne User Experience verfügen.

„Innerhalb dieses Pilotprojekts und dem produzierten VR-Film liegt der Fokus darauf, ein aktuelles subjektives Wohlbefinden und den damit verbundenen Abbau von möglichen Hemmschwellen hervorzurufen. Verschiedene Aspekte im Drehbuch, die später näher aufgeführt werden, sollen zunächst momentanes Wohlbefinden erzeugen um damit den Lernprozess zu unterstützen, zu größerem Lernerfolg zu führen und schließlich zu einer erfolgreichen Integration beizutragen.“ 

Bisherige Integrationsangebote

Im nachfolgenden Kapitel werden unterschiedliche Integrationsangebote vorgestellt, die in Köln für Zuwanderer und Flüchtlinge angeboten werden. Es werden lediglich die Angebote der Stadt Köln dargestellt, da das Pilot-Projekt im Raum Köln durchgeführt wurde.

Eines der Integrationsangebote bietet die Volkshochschule Köln. Diese ist ein Träger für Integrationskurse, Jugendintegrationskurse sowie Integrationskurse mit Alphabetisierung, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert werden. Die Integrationskurse werden dabei in Nippes, Mühlheim, Kalk und am Neumarkt angeboten. Sie bestehen aus einem Sprachkurs mit 600 Unterrichtsstunden und einem 100-stündigen Orientierungskurs, wobei in diesem Basisinformationen zum deutschen Staatsaufbau, zur Geschichte, Kultur und zur Rechtsordnung vermittelt werden. Die Integrationskurse der VHS Köln verfolgen dabei das Ziel, dass Zuwanderer den Deutschtest für Zuwanderer bestehen und ihnen somit der Sprachstand von A2 bis B1 bescheinigt werden kann (Volkshochschule Köln, 2017). A1 und A2 entsprechen dabei der Niveaustufe der elementaren Sprachverwendung, wie Sich-Vorstellen oder einfache Fragen stellen, während B1 und B2 dem Niveau des selbstständigen Sprachgebrauchs entsprechen (Hesse, o.J.).

Neben den Integrationskursen an der VHS Köln bilden Early Intervention Sprachkurse weitere Integrationsangebote. Im Rahmen der Early Intervention NRW+ verfolgt das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales einen schnellen Einstieg in die Sprachkurse, um sich um eine rasche Perspektive für Flüchtlinge auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu kümmern (GIB, 2017).

Als drittes Integrationsangebot wird der Sprachraum der zentralen Stadtbibliothek Köln vorgestellt. Bei dem Sprachraum der zentralen Stadtbibliothek Köln handelt sich um ein niederschwelliges Angebot der Stadtbibliothek Köln für Menschen unterschiedlichster Herkunft. Besonders Flüchtlinge können sich dort vernetzen, Deutsch lernen und neue Menschen kennenlernen. Niederschwelliges Angebot bedeutet dabei, dass es mit wenig Aufwand für die Nutzer verbunden ist. Das Angebot, welches die Flüchtlinge im Sprach-raum in Anspruch nehmen können, erstreckt sich von Angeboten für Lernaktionen, Informationen über die Möglichkeit der Bibliotheksnutzung und Lesungen über Hausaufgabenhilfen und verschiedenen Lernmaterialien bis hin zu Einzel- und Gruppenangeboten. Dabei werden die Flüchtlinge von Ehrenamtlichen betreut, die sie jeder Zeit um Hilfe bitten können (Baller, 2015).

Besonders diese Modelle des Integrationsangebotes könnten durch die VR-Technologie, wie sie in dieser Arbeit praktiziert wird, erweitert und unterstützt werden. Durch die Etablierung der VR-Technologien in Sprachräumen wie diesem in Köln, könnte man die Vermittlung von Sprache und Kultur lebhafter und dynamischer gestalten, als auch die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit entlasten. Mithilfe des situativen Lernens, wie es über VR vermittelt der Fall ist, in einer sicheren Umgebung, wird versucht Hemmschwellen zu verringern und das Wohlbefinden der Flüchtlinge zu steigern.

Definition Wohlbefinden

Eine unabdingbare Feststellung für den weiteren Verlauf und das Verständnis dieser Arbeit ist die Definition und Trennung der verschiedenen Arten des Wohlbefindens.

Wohlbefinden umfasst die intellektuellen, körperlichen, emotionalen, sozialen und spirituellen sowie Umweltaspekte des Lebens. In der Psychologie unterteilt man Wohlbefinden in das objektive Wohlbefinden und das subjektive Wohlbefinden. Das objektive Wohlbefinden umfasst körperliche sowie ökonomische Faktoren (Gerrig & Zimbardo, 2008). Subjektives Wohlbefinden hingegen meint das von einem Individuum wahrgenommene Gefühl der Lebenszufriedenheit und des Glücks. Die Lebenszufriedenheit umfasst dabei die Komponente der kognitiven Bewertung des eigenen Lebens, während Glück in die Kategorie der affektiven Bewertung des Lebens fällt. Zusammen mit dem objektiven Wohlbefinden, bildet das subjektive Wohlbefinden die Lebensqualität eines Menschen.

Bei der Betrachtung der zeitlichen Abhängigkeit müssen habituelles und aktuelles Wohl-befinden differenziert werden. Aktuelles Wohlbefinden umfasst nur diejenigen Stimmungen, Empfindungen und Emotionen, welche momentanes Glücksempfinden zum Ausdruck bringen. Wird hingegen von einer stabilen Eigenschaft bzw. zeitlich überdauernden Grundeinstellung einer Person gesprochen, dann ist von habituellem Wohlbefinden die Rede. (Becker, 1991)

Um ein längerfristiges Wohlbefinden aufrechterhalten zu können, müssen die sechs Säulen des Wohlbefindens erfüllt sein. Diese umfassen nach Ryff (1989) Selbstakzeptanz, soziale Beziehungen, Autonomie, Lebenszweck, aktive Umweltgestaltung sowie persönliches Wachstum.

Innerhalb dieses Pilotprojekts und dem produzierten VR-Film liegt der Fokus darauf, ein aktuelles subjektives Wohlbefinden und den damit verbundenen Abbau von möglichen Hemmschwellen hervorzurufen. Verschiedene Aspekte im Drehbuch, die später näher aufgeführt werden, sollen zunächst momentanes Wohlbefinden erzeugen um damit den Lernprozess zu unterstützen, zu größerem Lernerfolg zu führen und schließlich zu einer erfolgreichen Integration beizutragen.

Technologie als zentrale Anbindung zur Entlastung von Personal

Mit ca. 1,9 Millionen Asylanträgen* seit 2010 in Gesamtdeutschland, haben die Bundesländer eine enorme Anzahl von Verfahren zu bearbeiten und hohe Integrationsarbeit zu leisten.

Die VR-Technologie und die mögliche Anbindung und Unterstützung durch internetorientierte Services lassen sich die vorgestellten VR-Themenfelder realisieren. Die dynamische Entwicklung eines

internetbasierten Angebots bei konstantem Personal- und Zeitaufwand stehen im Einklang mit den parallelen Angeboten der bisher üblichen Integrationsmaßnahmen.

Sie stellen einen neuen und erweiterbaren Mehrwert dar und weichen in ihre Qualität erheblich von der erwähnten einseitigen Systematik ab, da der Spracherwerb mit dem Alltagsleben verbunden wird.

  • Ehrenamtler werden durch diese Maßnahme unterstützt
  • Zielgruppengerechte (junge techn.affine Männer) Lern- und Integrationsmotivation durch Einsatz innovativer Technologien und Methoden (Gamification, VR, Simulation)
  • Zeitlich und Örtlich unabhängig (erweiterbar auf mobilen Einsatz)

Das Angebot an umfassenden VR-Themen ist der ideale Einstieg für die Integration in Deutschland.

Daher ist die wissenschaftliche Begleitung nicht vordergründig, sondern ergänzend. Wir knüpfen an die Aussagen der ersten Ministudie an und bieten sukzessiv neue Themenfelder und Lernlevels an. Dabei wird nicht die tatsächliche Lerneffizienz hinterfragt, sondern das Integrationsmaß.

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